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Offene Schach-Staatsmeisterschaften 2004 vom 24.7. – 1.8.2004 in Hartberg SteiermarkDie offene Schach-Staatsmeisterschaft der Herren, die jedes zweite Jahr stattfindet und sich als Qualifikationsturnier zu der nächstes Jahr wieder geschlossenen Staatsmeisterschaft der Herren abwechselt, fand heuer vom 24.7. bis zum 1.8.2004 in Hartberg in der schönen Steiermark statt. Qualifiziert sind nur Spieler ab 2100 Elopunkten national oder ab 2200 Elopunkten international. Das Teilnehmerfeld entspricht einem Spielniveau der 1. und 2. Bundesliga in Österreich! Im Vergleich zu einem internationalen Open, das eine breitere Schicht von Spielern anlockt und wo man mit weniger erfolgreichem Turnierverlauf auch schwache Spieler bekommt und leichter punkten kann, gibt es bei den Staatsmeisterschaften keine schwachen Spieler und es wird auch gegen die erfolgsverwöhnten Stars in Österreich hart um die Punkte gekämpft! Die offenen Herren-Staatsmeisterschaften sind das härteste Event im Schachsport in Österreich (Free-Climbing-Chess oder Sky-Diving-Chess ist nichts dagegen!) und wie zwei Jahre zuvor stellte sich eine 4 köpfige Delegation aus Götzis (mit der ersten Mannschaft erfolgreich in der 2. Bundesliga West vertreten) dieser Herausforderung. Zu den einzelnen Spielern und Ergebnissen: Phillip „Casanova“ Scheffknecht startete mit 2 Punkten aus 3 Partien fantastisch! Wer hätte ihn mit einem solchen Lauf noch stoppen können? Doch leider passierte es, als es dem aufmerksamen Phillip natürlich nicht entging, dass es in Hartberg noch mehr gab als malerische Schlösser, guten Wein und feines Essen … nämlich auch schöne Frauen! In der Formel Eins hätte Schuhmacher mit Reifenschaden aufgegeben, aber Phillip erreichte mit Konzentrationsschaden später noch 3 Punkte aus 9 Partien. Startrang 65 und der 70. Rang, das lag ein wenig unter der Erwartung seiner Elozahl und Phillip war deshalb auch ein wenig traurig, genauer gesagt am Boden zerstört. ![]() Toni „Fightclub“ Wallis startete mit 1,5 Punkten aus 2 Partien ebenfalls glänzend! Aufgrund seiner speziellen Taktik - so schreckte er auch nicht davor zurück seine Gegner mit zweifelhaften Eröffnungen zu erschrecken - fiel er im Turnier zweimal zurück aber kämpfte tags darauf wieder erfolgreich um die Punkte! 4,5 Punkte aus 9 Partien, 50 Prozent und als Nummer 60 gesetzt den 36. Platz erreicht und sogar eine ÖM-Norm erfüllt, das heißt Ruhm, Ehre und massig Elo gewonnen, aber völlige Enttäuschung für Toni, hatte er ja nicht mal eine IM-Norm machen oder um den Staatsmeistertitel mitspielen können! Auf der Rückfahrt trug ich nur Hut und Sonnenbrille, damit die Presse kein gemeinsames Foto schießen konnte. ![]() Armin „Stahlnerven“ Kranz startete mit einem halben Punkt aus vier Partien dramatisch! Doch er bewies souveräne Nervenstärke, die offenbar selbst österreichischen Spitzenspielern fehlt. Er gewann mit viel Kampfgeist anschliessend drei Partien in Folge und beendete das Turnier mit 4 Punkten aus 9 Partien. Respektable Leistung nach diesem Start! Als Nummer 71 gesetzt den 61. Platz erreicht und ein kleiner Elogewinn machten es doch noch zu einem guten Turnier für ihn. ![]() Ich selbst spielte eines meiner besten Turniere. Gegen 4 Internationale Meister, 1 Fide Meister, 2 Österreichischer Meister und zwei Spieler mit internationaler Zahl erreichte ich 5 Punkte aus 9 Partien. Das entspricht einer Eloleistung von 2340. Dabei war ich in 9 Spielen nur einmal Favorit. Wenn es mir noch gelingt einige Eröffnungen genauer zu spielen und den Respekt vor den österreichischen IMs der 1. Bundesliga abzubauen (so gut, wie sie verrückt sind, spielen sie nämlich nicht), dann ist noch einiges drin! Als Nr. 55 gesetzt den 29. Endrang erreicht ist ein gutes Resultat. Aus dem Ländle nahmen übrigens noch mehr Spieler teil: Christian „Surprise“ Srienz aus Lochau, der in Wien studiert, spielte riesig auf, ohne Respekt vor großen Namen! So gelang es ihm auch seinen ersten IM zu bezwingen, und zwar den ehemaligen Herren Staatsmeister Siegfried Baumegger! In der letzten Runde hatte FM Roland Schweda wohl zuviel Angst sich ihm zu stellen und so kam Christian kampflos auf 5,5 Punkte aus 9 Partien. Mit Startrang 33 den 16. Rang erreicht und mit einer fantastischen Performance in die Geschichte eingegangen! Rainer „der Asket“ Bezler aus Lustenau fand wohl in den umliegenden Bundesländern keine Pension mehr und entschied sich dann für eine Unterkunft auf einem Berg (na ja fast) ein wenig außerhalb Hartbergs. Sogar mit dem Auto war's anstrengend hinzufahren und für Rainer bedeutete das zu Fuß 50 Minuten Talwanderung zum Spiellokal und 50 Minuten Bergwanderung zurück. Dafür verzichtete er die ersten Tage auf Mittag- und Abendessen. Für das Turnier bedeutete dies nach gutem Start ein Desaster in der Mitte des Wettkampfs. Doch Rainer schien sich immer besser zu akklimatisieren, spürte wohl keinen Hunger, keine Kälte, keine Schmerzen mehr und beendete das Turnier mit respektablen 3 Siegen in Folge. Mit 5,5 Punkten aus 9 Partien als Nummer 38 gesetzt den 23. Rang erreicht hat er das Pferd mal richtig von hinten aufgezäumt! Nachdem die stärkste Frau Österreichs, IM Eva Moser, bei den Herren (sogar um den Titel) mitspielte, gewann in der Damenklasse WIM Helene Mira aus Bregenz mit 9 Punkten aus 9 Partien! Ein beeindruckender Score, mehr geht wirklich nicht (ich hab sogar nachgerechnet). Die weibliche internationale Meisterin Helene Mira macht mit ihrer Schachwerkstatt in Bregenz und einigen Veranstaltungen wirklich viel für den Schachsport in Österreich! Der Titel bei den Herren war heiß umkämpft: Favorit GM Niki Stanec kann in der letzten Runde nicht mehr aus eigener Kraft gewinnen, es führen mit einem halben Punkt IM Moser und FM Pilaj, die in der letzten Runde aufeinander treffen. Nachdem Stanec den Evergreen IM Danner mit den schwarzen Steinen schlägt, ist der Sieger aus der Begegnung Pilaj/Moser Herrenstaatsmeister. Also es könnte eine Frau praktisch Herrenstaatsmeister werden. Doch diese Partie endet in einem ausgeglichenen Damen/Turmendspiel remis und so gewinnt GM Niki Stanec die Herrenstaatsmeisterschaften 2004 wie schon die Jahre zuvor. Das Turnier war vom Internationalen Schiedsrichter Werner Stubenvoll und seinem Helferstab bestens organisiert, die Partien wurden täglich live im Internet übertragen mit mehr als 1.000 Zugriffen. Wir freuen uns schon auf die nächste offene Staatsmeisterschaft der Herren in zwei Jahren. Alexander Schmidlechner |
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